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Interstellar – Wie wir aus purer Arroganz unsere Zukunft verbauen

Seit mehreren Jahren zieht ein Thema mit unglaublicher Präsenz in den Mittelpunkt von Politik und Gesellschaftlicher Diskussion: Der Klimawandel. Kein Problem war bisher so global und weitreichend wie dieses, welches jeden einzelnen der aktuell über sieben Milliarden Menschen, die auf der Erde leben, beeinflusst. Vermutlich hat sich bereits jeder einmal Gedanken darüber gemacht, wie die Welt in 20, 50 oder 100 Jahren wohl aussehen wird, wenn sich unsere Atmosphäre weiter so stark erwärmt, wie es im Moment der Fall ist. Doch da wir alle lebendige Zeugen der Globalisierung, einem weltweiten Vorgang, der die Industrie so sehr wie noch nie zuvor wachsen lässt, sind, wird dieses Thema politisch oft nach hinten gesetzt, da es mit den Grundzügen der Globalisierung kaum vereinbar ist. Immer mehr LKWs fahren auf unseren Straßen, Millionen Pakete werden Tag für Tag über Flugzeuge, Schiffe und Autos in die Welt versendet, immer mehr Energie wird aus Kohle und anderen Umweltvernichtenden Stoffen gewonnen, um die immer Energiehungrigeren Geräte und Haushalte zu versorgen. In Anbetracht dieser Entwicklung über die letzen 10 Jahre ist es offensichtlich, dass sich das auch in den nächsten Jahren nicht umkehren, sondern viel mehr noch Exponentiell steigern wird. Aber vor was für einer Welt werden unsere Nachkommen in 100, 200 Jahren stehen? Was wird es für ein Gefühl sein, auf einem rücksichtslos leergefegten Planten zu stehen, auf dem nichts mehr wächst, niemand mehr so wie wir es als normal bezeichneten draußen herumlaufen kann, den man dann Heimat nennen soll?

Mit diesem Endzustand der Erde befasst sich der Film „Interstellar“, der im Jahr 2014 in Kooperation mit Kip Throne, einem der besten theoretischen Physiker unserer Zeit, die Kinoleinwände eroberte. Ein junges Mädchen namens Murphy Cooper muss, als wäre es alltäglich, während eines Footballspieles mit ihrem Vater, einem ehemaligen Piloten der NASA, welche aus Kostengründen abgeschafft wurde, nach Hause flüchten, da ein riesiger Sandsturm über die Region zieht. Die Familie besitzt riesige Maisfelder, eine Pflanze, die aufgrund ihrer vergleichsweise hohen Überlebensfähigkeit zum Hauptnahrungsmittel der Menschheit geworden ist. Später entdeckt die junge Murphy in ihrem Zimmer auf unerklärliche Weise Koordinaten, zu denen sich ihr Vater dann begibt. Dort findet er eine geheime Niederlassung der NASA wieder, die im Verdeckten weiter einen besonderen Gedanken zur Rettung der Menschheit verfolgt, welcher zu diesem Zeitpunkt nicht wenig radikal ist: Das verlassen des Planeten. Aufgrund seiner Flugkompetenz und noch viel mehr der Liebe seiner Tochter gegenüber und dem entschlossenen Willen, ihre Zukunft zu mehr als einem Leben in Dreck und Asche zu machen, entscheidet sich Cooper, gemeinsam mit einem Team von anderen Wissenschaftlern die Erde zu verlassen, auf der Suche nach einem neuen Zuhause für ihn uns seine Tochter. Getrieben von purer Selbstlosigkeit fliegt er wenig später los, wohl wissend, dass er seine Tochter mit einer unglaublich hohen Wahrscheinlichkeit nie wieder sehen wird: alleine aus dem Grund, dass in der Umgebung eines schwarzen Loches, zu welchem das Team fliegt, durch die Krümmung der Raumzeit die Uhr für seine Tochter schneller ticken wird als für ihn. Beim verlassen der Erdatmosphäre, welcher von einer unglaublich eindrucksvollen Musik von Hans Zimmer, die im Beat das immer langsamer werdende Ticken einer Uhr beinhaltet, wird einem als Zuschauer klar, wie selbstlos und Heldenhaft das Team ist, welches für eine Generation, in der sie selbst nicht mehr leben werden, ihr eigenes Leben an einen seidenen Faden, welcher durch Wurmlöcher, Raumzeitkrümmungen und andere Dimensionen reicht, hängen. 

Ohne auf den weiteren Inhaltlichen Verlauf des Filmes eingehen zu wollen sind die Emotionalen Erfahrungen während des Anschauen des Filmes und die Gedanken, die ich persönlich danach hatte, erwähnenswert: 
Die Kombination aus Entfernungen, Zeit und Musik, die den Film prägen, haben mich dazu angeregt, über die Relevanz unseres eigenen Lebens im Verhältnis zu der Größe des Universums nachzudenken. Wir leben nur einen so kleinen, irrelevanten Teil von dem ganzen und trotzdem hat jeder Mensch seine eigene Geschichte und sein eigenes Leben, das voll mit Millionen von kleinen Erfahrungen ist, die uns als Mensch prägen. Ich kann mir gut vorstellen, dass genau aus diesem Grund das Erreichen der aktuellen Klimaziele utopisch ist. Es ist für uns als Individuum sehr schwer, das eigene Leben und die eigenen Ziele nach hinten zu rücken, um ein Problem zu bekämpfen, welches so groß wirkt, dass wir es kaum begreifen können. Wir sind dazu in der Lage Probleme, die uns selbst betreffen, mit vollem Einsatz anzugehen und nach Lösungen dafür zu streben. Doch sobald es den Zusammenhalt der ganzen Menschheit benötigt, wie es beim Klimaproblem eindeutig der Fall ist, scheitern wir an purer Arroganz. Jeder findet die Entwicklung dieser Erde schrecklich, einige haben wirklich Angst davor. Doch wer dieser Menschen wäre schon dazu bereit, dass eigenen Leben auf radikale Art und Weiße von all den Luxusgütern und Services dieser Modernen Welt loszulösen um ein Problem zu bekämpfen, dass das eigene Leben bisher nicht beeinflusst? 

Im Film ist genau das das Problem: Gerade, wenn die Welt am Abgrund steht, muss jemand mehr als ein, zwei Jahre aufs Spiel setzen, um die gesamte Entwicklung zu ändern. Es muss „Helden“ geben, die ihr eigenes Leben, ihr Vermögen, ihre Familie und Freunde aufgeben, um ein Problem nicht für sich selbst zu lösen, sondern für die Menschen, die kommen werden. Solange in unserer Gesellschaft niemand dazu in der Lage ist, ein solches Opfer hinzunehmen, ist dieser finale Abbau der Welt, wie wir sie kennen, meiner Meinung nach nicht aufzuhalten. 

2 Kommentare

  1. In der Tat. Kein Einzelner,auch keine einzelnen Gesellschaften können dieses existentielle Problem der überbevölkerten Erde lösen. Das bedeutet trotzdem nicht, dass wir tatenlos unserem Ende entgegeschauen müssen. Unpopulistische verantwortliche Politik, die sich nach ethischen Gesetzen und Gesichtspunkten richtet und nicht nach vordergründigem wirtschaftlichem Erfolg, die erkannt hat, wie Mehrheiten und Meinungsmache im Netz entstehen , kann zumindest in Demokratien gewählt werden. So hat jeder Einzelne das Steuer auf dem Weg in die Zukunft in der Hand. Technologisch, aber auch ethisch, politisch und sozial sind die Herausforderungen zweifellos riesig.

    1. Natürlich sollte niemand dem Ende unserer Gesellschaft regungslos entgegenblicken. Die politischen Probleme, die überwunden werden müssen, sind eben nur aus aktueller sozialer Sicht unglaublich schwer zu meistern, wenngleich natürlich machbar. In dem Film hat es ja auch funktioniert, die Frage ist nur an welchem Punkt wir stehen werden, sobald wir unsere kritische Situation endlich erkennen.

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